Rauchabzug, Fachplaner

RWA Fensterantriebe planen

Einbausituation, Brandschutzkonzept, Hub und Kraft: Mit 4 Schritten zu Ihren objektspezifischen elektrischen Fensterantrieben für den Rauchabzug.

Sie müssen einen Bauantrag stellen und die Anforderungen aus einem Brandschutzkonzept umsetzen? Oder Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke vorbereiten? Dann helfen wir Ihnen mit diesen 4 Tipps bei der Ermittlung Ihrer Fensterantriebe für den natürlichen Rauch- und Wärmeabzug (RWA).

Funktion und Einbaulage: 
Wie viel Platz haben Sie für die Montage Ihrer Fensteröffner?

Grundsätzlich macht es Sinn, sich im ersten Schritt bei der Auswahl von Fensterantrieben darüber klar zu werden, welche Funktionen Sie mit ihnen abdecken wollen. Sollen Sie ausschließlich im Brandfall für die Entrauchung sorgen oder zusätzlich für die tägliche natürliche Lüftung dienen? Die Fensterantriebe von D+H – bis auf den reinen Lüftungsprofi der Serie VCD – sind sowohl für Lüftung als auch für RWA zugelassen, wodurch Sie diesbezüglich bei Ihrer Auswahl der Fensterantriebe flexibel sind. Die Frage, was sie mit Ihren Antrieben bewirken möchten, beeinflusst aber auch entscheidend, wo sie im Gebäude platziert werden sollten. Welche Lüftungsquerschnitte müssen Sie erreichen? Welche Rauchabzugsflächen müssen erfüllt werden? Diese Anforderungen sind – insofern vorhanden – im Brandschutzkonzept des Gebäudes festgehalten (s. unten „Brandschutzkonzept, Hub und Kraft“) und geben somit eine klare Übersicht, welche Fensteröffnungen wo im Gebäude notwendig sind. 

Die jeweilige Einbaulage grenzt dann die Auswahl Ihrer Fensterantriebe etwas weiter ein. Befinden sich die geplanten Fensteröffnungen in der Fassade oder im Dach? Und welche Öffnungsvarianten – Kipp-, Klapp-, Senk-Klapp-, Parallelausstell- oder Drehfenster – sind vorgesehen?

Je nachdem wie die Begebenheiten im Gebäude sind und welchen Platz Sie für die Montage haben, bestehen für Sie verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Denn bei D+H gibt es eine große Fensterantriebs-Modellen-Vielfalt: von Verriegelungsantrieben für die Fenstersicherung über spezielle Antriebe für Lamellen bis hin zu den gängigsten Antriebstypen der Ketten- und Zahnstangenantriebe. Die beiden zuletzt genannten Antriebsmodelle unterscheiden sich insbesondere in ihrer Bauform und Funktionsweise. Während Kettenantriebe Fenster durch eine biegsame Kette öffnen, fährt der Zahnstangenantrieb die Fenster mithilfe einer steifen robusten Stange auf. Kettenantriebe sind dadurch nicht nur aufgesetzt montierbar, sondern können auch in Fensterprofile integriert werden. Diese Art von elektrischen Fensteröffnern ragen im Gegensatz zu den Zahnstangenantrieben nicht in den Raum hinein, wodurch sie sich z.B. mit innenliegenden Beschattungselementen unkompliziert kombinieren lassen. Kettenantriebe erfüllen somit höchste Anforderungen hinsichtlich Funktion aber auch Ästhetik. Zahnstangenantriebe hingegen überzeugen mit ihrer Kraft und sind aufgrund ihrer robusten Bauform insbesondere im Dach für das Bewegen von Lichtkuppeln oder besonders schweren Fenstern optimal geeignet. 

Strom und Vernetzung: Wie lang sind die Kabelwege und welche Anbindung der Fensterantriebe ist geplant?

Sie sollten sich frühzeitig in Ihrer Planung von Fensterantrieben eine Übersicht darüber verschaffen, wie lang Ihre Kabelwege voraussichtlich werden könnten. Je nach Objektgröße sollten Sie sich dann zwischen 24 Volt Antrieben und 230 Volt Antrieben entscheiden. Für kleinere Bürogebäude oder Treppenhäuser kann eine 24 Volt Stromversorgung ideal geeignet sein, da hier der Verkabelungsaufwand ohnehin gering ist. Sobald es sich aber um komplexere Gebäude mit mehreren Stockwerken oder um große Industriehallen handelt, ist in den meisten Fällen eine 230 Volt Lösung funktional sinnvoller und kostengünstiger. Denn aufgrund der hohen Spannung benötigen die 230 Volt Fensterantriebe deutlich geringere Leitungsquerschnitte als 24 Volt Antriebe. Laut dem Brandschutzfachplaner Thomas Rößler, Geschäftsführer der D+H Deutschland GmbH, ergebe sich bei einem angenommenen Leitungsweg von 100 Metern in einer kompletten RWA-Anlage für Steuerzen­tralen und Kabel zusammengenommen eine Ersparnis von mehreren tausend Euro. 

Neben dem Kostenfaktor gibt es ein weiteres Argument dafür, sich bei größeren Gebäuden für 230 Volt Fensterantriebe zu entscheiden. Durch die geringeren Kabelquerschnitte sind die Kabel leichter und benötigen weniger Platz. Das kommt den Architekten sehr entgegen, da sie somit zusätzlich zu ihren Ansprüchen hinsichtlich Funktion auch ihren Anforderungen bezüglich der Statik und Ästhetik gerecht werden können. Generell sind die Fensterantriebe von D+H sowohl in einer 24 Volt als auch in einer 230 Volt Ausführung erhältlich. Dementsprechend müssen Sie diesen Punkt tiefgehend auch erst dann betrachten, sobald Sie in die Elektroplanung gehen und die Auswahl einer RWA-Steuerung ansteht. D+H empfiehlt seinen Kunden aber stets, auch schon bei der Ermittlung der Fensterantriebstechnologie die Kabelplanung zumindest im Hinterkopf zu behalten. Dazu zählt auch die Vernetzung mit einer möglichen Gebäudeautomation oder Bussteuerung.

Brandschutzkonzept, Hub und Kraft: Welche Antriebe benötigen Sie, um die geforderten Rauchabzugsflächen zu erfüllen?

Insofern ein Brandschutzkonzept für Ihr Gebäudeprojekt vorliegt, ist in diesem vorgegeben, welche Entrauchungsflächen im Gebäude erfüllt sein müssen. Das bedeutet, wie groß die Öffnungsflächen der Fenster sein müssen, um im Brandfall für einen sicheren Rauchabzug sorgen zu können. Die Rauchabzugsflächen unterscheiden sich in aerodynamische und geometrische Entrauchungsflächen. Die aerodynamisch wirksame Rauchabzugsfläche muss dann erfüllt werden, wenn bauordnungsrechtlich nach DIN EN 12101-2 ein NRWG gefordert ist. 

Ist für die Rauchableitung eine geometrische Rauchabzugsfläche gefordert, kann diese mithilfe einer einfachen Formel errechnet werden. Diese berechnen Sie, indem Sie die Lichte Öffnungsweite (LÖ) mit der Lichtbreite (BL) multiplizieren. Bei Drehfenstern müssen Sie die Lichthöhe (HL) mit der mit der Lichte Öffnungsweite (LÖ) multiplizieren. Die Berechnung der geometrischen Entrauchungsfläche hilft Ihnen dabei, abzugleichen, ob die Hublängen Ihrer ausgewählten Fensterantriebe für die Brandschutzvorgaben genügen.

Neben der Hublänge ist aber auch die Kraft der Fensterantriebe für Ihre Auswahl entscheidend. Je nachdem welche Fenstergrößen Sie für Ihr Objekt verwenden bzw. welches Gewicht Ihre Fenster haben, benötigen Ihre Fensterantriebe unterschiedliche Druck- und Zugkräfte. Auch die Öffnungsvarianten (s. oben „Funktion und Einbaulage“) haben Einfluss auf die benötigten Kräfte. Je höher die Kräfte sind, desto größer ist die Stromaufnahme der Antriebe, was wiederum entscheidend für die Auswahl der passenden Rauchabzugszentrale ist. So benötigen die schmalen Kettenantriebe der Serie CDC bei einer maximalen Druckkraft von 250 Newton z.B. eine Versorgung von 0,6 Ampere bei einem Hub von 250 Millimetern. Der kräftige Zahnstangenantrieb der Serie DXD hingegen benötigt bei einer Kraft bis zu 3000 Newton eine Stromversorgung von 2,5 Ampere.

Um die Ermittlung Ihrer objektspezifischen Fensterantriebe digital und somit noch wesentlich unkomplizierter durchführen zu können, hat D+H die Software myCalc entwickelt. In dieser können Sie die konkreten Daten zu Ihrem Fenster wie die Breite und Höhe des Fensterflügels sowie das Profil angeben. In Kombination mit der weiteren Angabe Ihrer Anforderungen hinsichtlich Hublängen oder Öffnungswinkeln und äußerlichen Einflüssen wie Schnee- oder Windlast kalkuliert das Programm dann für Sie die passenden Fensterantriebe inklusive der Montagelösungen (Konsolensätze). Auch die Berechnung der aerodynamischen und geometrischen Rauchabzugsflächen können Sie über diese Software unkompliziert durchführen.

 

 

Maschinenrichtlinie und Schutzmaßnahmen: Muss die Risikobeurteilung bereits frühzeitig in der Planung erfolgen?

Wenn die Flügelunterkanten Ihrer Fenster nicht mindestens eine Einbauhöhe von 2,5 m erreichen, sind Sie verpflichtet, eine Risikobeurteilung für ihr kraftbetätigtes Fenster durchzuführen. Warum und wofür dient sie? Stellen Sie sich vor, Ihr Fenster fährt auf und zu ohne Rücksicht auf mögliche Gefahren. Selbst wenn jemand seinen Finger in die Schließkante hält, wird der Antrieb beim Schließen nicht langsamer oder stoppt. Bei Krafteinwirkungen von bis zu 3000 N könnte dieses Szenario ganz schön schmerzhaft ausgehen. Damit so etwas nicht geschieht, muss laut der Produktnorm DIN EN 14351-1 für Fenster und Außentüren – basierend auf der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG – eine Risikobeurteilung für solche Systeme vorgenommen werden. Dazu ist der Errichter, also derjenige, der den Antrieb bzw. das Antriebssystem mit dem Fenster zusammenführt (z.B. Metallbauer, Fensterhersteller oder RWA-Errichter), verpflichtet. Er haftet, sollten die entsprechenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen nicht erfüllt werden. Dabei erfolgt die Risikobeurteilung aber nicht erst bei der Montage, sondern beginnt bereits frühzeitig in der Planung. So muss das System aus Antrieb und Fenster auch unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung bereits konstruiert und hergestellt worden sein. Mehr Informationen zur Maschinenrichtlinie finden Sie in unserem Merkblatt.

D+H liefert mit Fachexpertise Unterstützung bei der Planung von Fensterantrieben

Für Ihre Fensterantriebsplanung ist – orientiert an der Honoraranordnung für Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI) – die Leistungsphase 2 (LP2) ein passender Zeitpunkt, mit D+H in Kontakt zu treten. D+H steht Ihnen bei der gesamten Projektierung – von der Auswahl der korrekten Rauchabzugs- und Lüftungselemente bis hin zur Montage und Inbetriebnahme – einer RWA-Anlage zur Seite. Indem Sie frühzeitig auf die Planungsunterstützung von D+H setzen, gehen Sie auf Nummer sicher, dass die LV-Texte der gewählten Technologien so definiert sind, dass der spätere Verlauf des Projektes einwandfrei bzw. ohne zu große Planungsänderungen ablaufen kann. Und Sie Ihren Bauantrag bzw. Ihre Ausschreibungen effizient vorbereiten können.

Ihre Checkliste für die Planung Ihrer objektspezifischen Antriebstechnologie:

  • Auslegen der benötigten Fensterantriebe hinsichtlich Lüftungs- und Rauchabzugsfunktionen sowie Einbaulage
  • Planen der Stromversorgung, Kabelwege und Vernetzung an Gebäudeleittechnik oder durch Buskommunikationssysteme
  • Berechnen der benötigten Fensterantriebe bezüglich Rauchabzugsflächen, Kraft und Hub mit D+H Konfigurationssoftware myCalc
  • Durchführen einer Risikobeurteilung und Umsetzen der Schutzmaßnahmen