DHBW Stuttgart
Tulpenflügel lassen das Atrium aufblühen
| Nutzung | Bildung & Kultur |
| Lösung | Rauchabzug RWA, NRWG, 230 V Rauchabzug |
| Jahr | 2023 |
| Standort | Deutschland |
| Architekt | 3XN |
D+H beflügelt: Innovatives Entrauchungskonzept mit Dreiecksflügeln
Seit mehr als 50 Jahren ist D+H maßgeblich an Projekten beteiligt, die mit außergewöhnlichen Anforderungen an den Rauch- und Wärmeabzug (RWA) einhergehen. So wie der 2023 bezogene Neubau der Fakultät Technik der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart, ein prägender Bestandteil des einzigartigen Campus im Herzen der Stadt. Die Universität und die Hochschule für Technik mitsamt Mensa und Uni-Bibliothek sind unmittelbare Nachbarn. Der Grundgedanke des Architekturbüros 3XN: Das Atrium kompensiert als zentraler Treffpunkt wetterunabhängig die fehlenden Außenflächen und prägt mit seiner beeindruckenden Glaskuppel den Neubau.
Das Glasdach besteht aus über 500 drei- oder viereckigen Elementen, kein Fenster steht im rechten Winkel zum nächsten. Die dreieckigen Elemente haben in der Standardversion eine Seitenlänge von 2,50 Meter, ein Stichmaß von 2 Metern und ein Durchschnittsgewicht von 160 Kilogramm. Für die spezielle RWA-Lösung wurden 24 Elemente verbaut, die sich öffnen lassen. Denn das Brandschutzkonzept verlangt vier Dachöffnungen mit sogenannten "Natürlichen Rauch- und Wärmeabzugsgeräten" (NRWG) gemäß EN 12101-2 auszustatten. Unabhängig der Stromversorgung leiten sie bei einem Brand den entstehenden Rauch sowie die heißen Gase aus dem Gebäude ab.
Die größte Herausforderung war es, die Anforderungen des Architekten umzusetzen: Es gab weltweit kein zertifiziertes NRWG-System für Dreiecksfenster und die Einbaulage mit den Windlasten erschwerte die konstruktiven Bedingungen. D+H entwickelte ein Konzept für die Entrauchung, das die Dreiecksfenster miteinbezog. D+H empfahl dafür, die zu erreichenden Rauchabzugsquerschnitte des Systems vom I.F.I. Institut für Industrieaerodynamik in Aachen als zertifizierter Stelle prüfen und zertifizieren zu lassen. Ein Modell im Maßstab 1:10 diente dazu, die Sogleistung an den einzelnen Flügeln zu prüfen.
Jetzt schützen sich sechs im Kreis angeordnete Dreiecksfenster gegenseitig vor Wind. D+H erarbeitete dafür ein windabhängiges Steuerungskonzept anhand einer Mittelwertbildung zweier Wetterstationen (Nord/Süd). Zwei CPS-M-Zentralen wurden installiert und in der SCS Software von D+H die Szenarien parametriert. Der D+H Service- und Vertriebspartner Hübler Sicherheit und Service GmbH setzte die Elektrik und Montage um.
Das Ergebnis: Die 24 Öffnungselemente sind in vier Gruppen zu sechs Elementen zusammengefasst. Die Flügel öffnen sich tulpenförmig, werden einzeln und abhängig von der Windrichtung gesteuert, um den geforderten Rauchabzugsquerschnitt im Brandfall sicherzustellen - und somit für lebensrettende Frischluft zu sorgen.